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RASCHE
MARKTÖFFNUNG IN PLANUNG:
Tiefgreifende
Änderungen beim Erdgasmarkt
Mit August 2000 soll
ein Gesetz Gültigkeit erlangen, das den österreichischen Gasmarkt
nach EU-Vorgaben regeln wird. Dieses Gesetz legt neben der Organisation
und den Regelmechanismen des Marktes auch den Ablauf der schrittweisen Öffnung
fest. Das letzte Mal gab es in Wien vor 101 Jahren als der private,
hauptsächlich von englischen Unternehmen dominierte Gasmarkt 1899 kommunalisiert
wurde so drastische Änderungen.
Die europäische
Gasbinnenmarkt-Richtlinie sieht verpflichtend eine stufenweise Marktöffnung
vor. Um Rücksicht auf die nationale und spezielle Marktsituation der
Gasversorger nehmen zu können, obliegt die Umsetzung dem jeweiligen
EU-Mitgliedsland. Das bedeutet: Wie rasch der Markt geöffnet wird,
kann jedes EU-Mitgliedsland selbst entscheiden.
Laut EU-Vorgabe wären vorerst nur folgende Verbraucher für den
freien Markt vorgesehen gewesen:
Gasbefeuerte Stromerzeuger, unabhängig vom Anschlusswert.
Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen entsprechend den von den Mitgliedsstaaten
festzulegenden Schwellen.
Alle anderen Verbraucher mit einem Erdgasjahresverbrauch von 25 Mio.
m3 bei Inkrafttreten der Richtlinie. Dieser Wert soll nach 5 Jahren auf
15 Mio. m3 und nach weiteren 5 Jahren auf 5 Mio. m3 sinken.
Bundesregierung
will rascher vorgehen
Die neue österreichische
Bundesregierung will zwar den ersten Schritt der Marktöffnung im August
2000 wie vorgesehen für Kunden ab 25 Mio. m3 jährlichem Erdgasverbrauch
setzen. Ab Oktober 2002 soll dann aber in Abweichung von den Mindestvorgaben
der EU der Markt bereits für alle Kunden, also auch für
Haushaltskunden, offen sein.
Heimische
Gasversorger besorgt
Diese sehr rasche Marktöffnung
kann manche heimische Gasversorger in beträchtliche Schwierigkeiten
bringen.
Erstens können alle ihr Erdgas nur von einigen wenigen Exportländern
beziehen (Russland, Norwegen, Algerien). Damit herrscht ein relativ starkes
Preisdiktat.
Ein zweites Problem im freien Markt stellen auch die Abnahmeverpflichtungen
(Take or Pay Verträge) der einzelnen Versorger mit den Lieferanten
dar. Vor allem, wenn größere Kunden den Versorger wechseln, bleiben
den Unternehmen die für diese vorgesehen gewesenen Gasmengen übrig.
Geschieht dies bei mehreren Großkunden, ohne dass ausreichend neue
Kunden gewonnen werden was bei großen Kunden nicht leicht ist,
da es nur eine begrenzte Anzahl in Österreich gibt , kann das
Gasversorgungsunternehmen in beträchtliche wirtschaftliche Schwierigkeiten
kommen.
Und drittens ist die Abrechnung der Gaskunden, sofern diese etwa über
das WIENGAS-Netz Gas von unterschiedlichen Lieferanten beziehen, mit den
vorhandenen EDV-Systemen nicht möglich. Sämtliche Kundenverrechnungssysteme
müssen den neuen Anforderungen angepasst werden, was bei fast allen
Unternehmen den Aufbau einer völlig neuen Verrechnungsstruktur bedeutet.
Dies ist bei der Umstellung etwa der Wiener Stadtwerke mit beinahe zwei
Millionen verrechneten Kunden ein kompliziertes und kostenaufwendiges Verfahren.
WIENGAS bereitet sich vor
WIENGAS wird sich natürlich
der Herausforderung des offenen Gasmarktes stellen und hat auch schon umfangreiche
Vorbereitungsarbeit dafür geleistet. Mit der geplanten Einführung
eines neuen Tarifmodelles noch in diesem Jahr soll das Unternehmen endgültig
europafit gemacht werden.
Ziel dieses neuen Tarifes wird vor allem sein, die laut Gaswirtschaftsgesetz
vorgesehene verursachergerechte Zuordnung der Kosten zu den einzelnen Kundengruppen
zu erreichen. Dies bedeutet vor allem, dass die Kunden mit weniger Verbrauch
durch die geplante Einführung von Grundkosten, die für alle Tarifkunden
gleich sein und die Grundaufwendungen für jeden Kunden abdecken sollen,
mit Verteuerungen zu rechnen haben werden. Kunden mit Mehrverbrauch können
durch die anteilsmäßig weniger ins Gewicht fallenden Grundkosten
mit Vergünstigungen gegenüber dem bisherigen Tarif rechnen, da
im Gegenzug dafür der Erdgaspreis etwas gesenkt werden soll.
Preisgestaltung
bei Erdgas
Der Rohölpreis
und einige Erdölproduktpreise wie Heizöl Leicht und Heizöl
Schwer bilden neben der nationalen Energiemarktbeurteilung den Bewertungsschlüssel
für die Preisgestaltung des Erdgas-Importpreises. Der Erdgas-Preis
wird meist mit einer Nachlaufzeit von 3 bis 6 Monaten je nach Vertrag
zum Erdölpreis gebildet.
Einkaufspreis
rund 100 Prozent gestiegen
Durch die massiven
Erhöhungen des börsennotierten und daher von den europäischen
Gasversorgungsunternehmen nicht beeinflussbaren Rohölpreises
innerhalb eines Jahres von 10 US$ auf den Spitzenwert im heurigen Frühjahr
von bis zu 32 US$ je Barrel ist auch der an den Erdölpreis gekoppelte
Erdgasimportpreis von 84 g je m3 im Februar 1999 auf jetzt über 1,60
ATS je m3 gestiegen.
Durch massive Einsparungen und tiefgreifende Organisationsänderungen
bei WIENGAS wird aber nur ein Teil der gestiegenen Kosten im Rahmen einer
geplanten Tarifreform an die WIENGAS-Kunden weitergegeben werden.
Take
or Pay-Verpflichtung
Ein Vertrag zwischen
Erdgas-Fördergesellschaft und Gasversorger. Gilt als Abnahmeverpflichtung
und hat das Ziel, die Investitionen, die vom Gaslieferanten in die Rohrleitung
gesteckt wurden, abzusichern. Die Verträge werden meistens über
25 Jahre abgeschlossen und legen vor allem Abnahmemengen und Preisgestaltung
fest. Wird die vertraglich zugesicherte Menge nicht abgenommen, so muss
diese Menge trotzdem vom Gasversorger an den Lieferanten bezahlt werden.
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