Nr. 144/2000

GASMARKT IN BEWEGUNG:
Tarifänderung bei Erdgas
Die bevorstehende Marktöffnung bei Erdgas und der dadurch entstehende internationale Wettbewerb haben eine Angleichung der WIENGAS-Tarifstruktur an international gebräuchliche Tarifmodelle notwendig gemacht. Gleichzeitig ist – durch die stark gestiegenen Einkaufspreise bei Erdgas – eine Änderung der Haushaltskundenpreise notwendig geworden.



Jeder WIENGAS-Haushaltskunde wurde noch im Sommer persönlich informiert.
Alle Haushalte haben eine ausführliche Zuschrift erhalten.
Außerdem gibt’s gratis eine Aktion zur Prüfung von individuellen Energiesparmöglichkeiten.
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Durch die massiven Erhöhungen des – börsenotierten und daher von den europäischen Gasversorgungsunternehmen nicht beeinflussbaren – Rohölpreises innerhalb eines Jahres von 10 US-Dollar auf jetzt rund 30 US-Dollar je Barrel ist auch der an den Erdölpreis gekoppelte Erdgasimportpreis gestiegen, und zwar von 84 g je m3 im Februar 1999 auf 1,65 Schilling im Mai 2000.

Dies hätte eigentlich zu einer Tariferhöhung von etwa 20 Prozent führen müssen, denn der Importpreis war bis jetzt etwa ein Fünftel des Endabnehmerpreises und ist durch die Verdoppelung auf zwei Fünftel dieses Preises gestiegen. Durch massive Einsparungen und tiefgreifende Organisationsänderungen bei WIENGAS muss nun nur ein Bruchteil der notwendigen Erhöhung an die Kunden weitergegeben werden.

Mehr Kostenwahrheit
Für die bevorstehende Marktöffnung bei Erdgas ist ein entsprechendes Gesetz mit Umsetzungsvorgaben ausgearbeitet worden, das ab August 2000 Gültigkeit haben wird. Dies sieht unter anderem vor, dass keine Quersubventionierungen innerhalb einzelner Kundengruppen bestehen sollen. Dem Rechnung tragend, hat WIENGAS das nun seit 1. Juli 2000 gültige Tarifmodell „europafit“ gemacht. Durch die Tarifreform ist jetzt eine Zuordnung der tatsächlichen Kosten zu den einzelnen Kundengruppen bzw. Verbraucherprofilen möglich.

Diese Tarifreform führt – trotz der doppelt so hohen Erdgasimportpreise – bei Haushaltskunden zu einer zwar leider unvermeidlichen Erhöhung, die aber nur einen Bruchteil der Erhöhung der Erdgas-Einkaufspreise ausmacht. So ist beispielsweise im Segment mit wenig Verbrauch (z. B. bei einer 40-m2-Wohnung mit Gasheizung) mit einem Preisanstieg von 11,14 Prozent zu rechnen, bei einem Jahresverbrauch von rund 2.000 m3 Erdgas (das entspricht einer 90-m2-Wohnung mit drei Bewohnern, die mit Gas heizen und Warmwasser bereiten) liegt die Erhöhung nur noch bei 4,24 Prozent.

Ab einem Verbrauch von 4.500 m3 kommt es zu einer Verbilligung gegenüber dem bisherigen Tarif.

So setzt sich der neue Gastarif zusammen
Der Messpreis (früher Gaszählergebühr) wurde von 10,56 Schilling pro Monat auf 26,42 Schilling pro Monat für die im Haushalt verwendeten Gaszählergrößen (G2,5; G4; G6) angehoben. Damit werden nicht nur wie bei der früheren Gaszählergebühr die Neubeschaffung, sondern auch die Kosten für die Beglaubigung und Administration der Zähler abgedeckt. Der ab jetzt neue Grundpreis beträgt für alle Haushaltskunden 36 Schilling im Monat, das entspricht 1 Schilling und 20 Groschen täglich. Dieser Grundpreis ersetzt die Jahres-Mindestabnahmemenge von 91,25 m3 (= 481,80 Schilling). Damit wird die für jeden Kunden notwendige Verwaltung wie Ablesung und Rechnungslegung und teilweise auch die für jeden Kunden notwendige Netzaufwendung abgedeckt.
Dazu kommt der Produktpreis, also jener für die tatsächlich verbrauchte Gasmenge.

WIENGAS-Preise günstig im internationalen Vergleich
Bei dem reinen Produktpreis (je m3 Erdgas) gibt es auch in Zukunft eine Staffelung, die verbrauchsabhängig ist. WIENGAS ist mit dem neuen Gaspreis europaweit in allen Verbrauchssegmenten konkurrenzfähig. Das bedeutet, dass WIENGAS seinen Kunden einen im internationalen Vergleich sehr günstigen Preis bieten kann.

Das neue Erdgaspreis-Stufenmodell
0 bis 730 m3: 4,40 + 0,575 Energieabgabe + 20 % USt = 5,97 Schilling/m3
731 bis 4.015 m3: 3,90 + 0,575 Energieabgabe + 20 % USt = 5,37 Schilling/m3
ab 4.016 m3: 3,50 + 0,575 Energieabgabe + 20 % USt. = 4,89 Schilling/m3

RECHENBEISPIEL:
Der „Wiener Durchschnittshaushalt“ (laut ÖSTAT)
(2 Personen in einer 68-m2-Wohnung, wo für Beheizung, Warmwasserbereitung und Kochen Gas verwendet wird)
Erdgasverbrauch: 1.468 m3 pro Jahr:
Jährliche WIENGAS-Rechnung bisher: 8.536,44 Schilling
Jährliche WIENGAS-Rechnung neu: 9.070,25 Schilling

Das Beispiel beweist es: Die Veränderung beträgt beim Wiener Durchschnittshaushalt nur 6,25 Prozent, das sind nicht einmal 1 Schilling und 50 Groschen pro Tag. Trotz der Tatsache, dass der Erdgaspreis auf den Weltmärkten um fast 100 Prozent gestiegen ist, konnte WIENGAS also die Endverbraucherpreise beinahe halten.