Nr. 146/2000

STILVOLLER RAHMEN FÜR TRAUERFEIERN:
Jugendstilkirche auf dem Zentralfriedhof in neuem Glanz
Eines der bedeutendsten Jugendstilbauwerke Wiens wurde nun nach fünfjähriger Generalsanierung wieder eröffnet. Die architektonisch bedeutende Friedhofskirche auf dem Zentralfriedhof, ein Werk des Architekten Max Hegele, ist seit Ende Oktober wieder öffentlich zugänglich und steht auch auf Wunsch für Trauerfeiern zur Verfügung.


Max Hegele – zu Unrecht im Schatten Otto Wagners
So wie die historische Bedeutung des Jugendstil-Architekten Max Hegele angesichts der Dominanz Otto Wagners auch in Fachkreisen noch immer unterschätzt wird, so steht auch die Friedhofskirche auf dem Zentralfriedhof im Schatten der weitaus bekannteren Kirche am Steinhof, die zwar später geplant, aber früher gebaut wurde als Hegeles Zentralfriedhofskirche.

Max Hegele, damals 27 Jahre alt, hatte 1899 den Wettbewerb gewonnen, der das Eingangsportal (Tor 2), zwei Aufbahrungshallen und die Friedhofskirche umfasste. Doch bis zur Errichtung der Kirche dauerte es noch fast ein Jahrzehnt. Erst nach der Errichtung des Haupttores und der Aufbahrungshallen auf dem Zentralfriedhof konnte Hegele dann im Jahre 1908 endlich mit dem Bau der Kirche beginnen, die mit ihrer 60 Meter hohen Kuppel zu einem Wahrzeichen des Zentralfriedhofes geworden ist.


Mit Generalsanierung beginnt neue Ära
Mit der von der Stadt Wien Mitte der neunziger Jahre beschlossenen und nun beendeten Generalsanierung beginnt nun eine neue Ära für die Friedhofskirche, die zwar das Grabmal des populären Jahrhundertwende-Bürgermeisters Dr. Karl Lueger beherbergt, aber – da sie dem Hl. Karl Borromäus geweiht ist – den Namen „Friedhofskirche zum heiligen Karl Borromäus“ trägt. Sie ist nun nicht nur baulich saniert und mit allem Komfort wie einer neuen Heizung und einem Aufzug ausgestattet, sie wurde darüber hinaus von Architekt und Denkmalpfleger Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Manfred Wehdorn und seinem Team nach Originalplänen bis ins kleinste Detail umfassend restauriert. Glanzstück dieser Arbeit ist zweifellos die Wiederherstellung der im Krieg schwer beschädigten und nach dem Krieg nur provisorisch übermalten Innenkuppel mit einem Sternenhimmel aus Blattgold auf nachtblauem Hintergrund. 22.000 Goldglas-Elemente wurden zu diesem Zweck händisch angebracht.


Es ist zu hoffen, dass nun der Kirche endlich jene Anerkennung und Beachtung zukommt, die ihr zusteht, zumal die reiche Ausstattung fast vollständig erhalten ist. Sie stammt von Jahrhundertwende-Künstlern wie Josef Breitner, Theodor Charlemont, Leopold Forstner (er gestaltete die beeindruckenden Glasfenster und Mosaike), Arthur Kaan und vielen anderen.

Selbstverständlich kann die Friedhofskirche nun auch wieder ihrem eigentlichen Zweck dienen, nämlich Aufbahrungen und Trauerfeiern sowie Seelenmessen. Dabei steht sie nicht nur für katholische Begräbnisse, sondern – im Sinne der Ökumene – auch für Trauerfeiern für Angehörige aller anderen christlichen Religionen offen.