Nr. 163/2003

Kunst im Foyer:
Hermann Härtel

Nur Fliegen ist schöner! Wenn Hermann Härtel zeichnet, malt, gestaltet, so erschließt sich die Bedeutung dieser partikulären Tätigkeit, auch wenn sie auf die Herstellung eines autonomen Kunstwerkes gerichtet ist, nicht zur Gänze aus diesem Kunstwerk, sondern stets nur aus der Bezugnahme auf die übergeordnete Strategie, die Hermann Härtel verfolgt.

Diese Strategie lässt sich als eine Recherche beschreiben. Der Fall, an dem sie entwickelt wird, ist das künstlerische Individuum. Die exemplarische Abwicklung erfolgt am Beispiel der Person, die Hermann Härtel am besten kennt – an sich selbst. Als Instrument dieser Recherche dient ihm die Aeronautik.

Die Methode ist die Apperzeption, ihr Bezugssystem literarisch. Aus dem Modellcharakter, den der Mensch dem Fliegen gegeben hat, seitdem er es den Vögeln am Himmel gleichtun will, resultiert der Modellcharakter der Recherche. Zugrunde liegt diesem Modellcharakter des Fliegens die Feststellung eines Nicht-Könnens als kultureller Mangel, der individuell interpretierbar ist.

Real ist die Sehnsucht, fliegen zu können, entweder durch einen gesellschaftlich hohen Einsatz von technischem Wissen und materiellen Ressourcen zu befriedigen oder durch einen individuell riskanten Einsatz des eigenen Körpers.

Seine Recherchen führen Hermann Härtel zu den Schnittflächen und Bruchstellen zwischen diesen verschiedenen Ebenen einer kulturellen Phänomenologie. Zu ihrer Beschreibung zieht er weitere Kulturtechniken heran: die Landvermessung für die räumliche, die Rekonstruktion von Erinnerungen anhand scheinbar nebensächlicher Wegwerfprodukte für die zeitliche Dimension.

Ausstellung von 19. November 2003 bis 18. Jänner 2004, täglich von 9 bis 19 Uhr bei freiem Eintritt im Foyer der Fernwärme Wien, 9, Spittelauer Lände 45, U4 und U6 (Station Spittelau).