Nr. 178/2006

MIT RICHTIGER BEWEGUNG JUNG BLEIBEN!
Fit ins Alter
Herzinfarkt, Bluthochdruck und Co. vorbeugen und seinen inneren Schweinehund überwinden. Wie das geht, erklärt Professor Norbert Bachl in seinem Buch über Bewegung im Alltag. Tipps für Fitness bis ins hohe Alter gibt der Leiter des Universitäts-Sportinstituts im Interview.

In Ihrem Buch „Fit ins Alter“ erklären Sie, wie sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Altersdiabetes durch den eigenen Lebensstil beeinflussen lassen. Warum ist Bewegung gerade im Alter so wichtig?
Prof. Bachl: Bewegung ist in jedem Lebensabschnitt wichtig. Sie ist im Alter umso wichtiger, um Stoffwechselerkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen zu können. Mit Bewegung sind wir lebensfroher und mobiler. Sie ist auch der mächtigste Schutzfaktor gegen Herzinfarkt, Bluthochdruck, Diabetes oder depressive Verstimmungskrankheiten.

Also Bewegung als Prävention für diverse Krankheiten. Inwiefern spielt Ernährung da eine Rolle?
Prof. Bachl: Eine sinnvolle Gesundheitsprophylaxe kann man nur dann betreiben, wenn man sich ausgewogen ernährt. Es gibt aber keine Ernährungswunder. Alles, was wir an Kalorien zuviel aufnehmen, wird als Fett gespeichert. Leider haben wir verlernt, auf unseren Körper zu hören.

Wenn man keinen Hunger hat, soll man nicht essen. Wichtig sind die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Lebensweise. Es gibt gewisse Richtlinien, die man aber nicht immer einhalten kann. Wenn ich einmal mehr zu Mittag esse, dann muss ich am Abend weniger zu mir nehmen. Das alles lässt sich mit ein wenig Gefühl und Wissen ausgleichen.

In Ihrer Philosophie „MY Way“ gehen Sie davon aus, dass man jederzeit – auch im fortgeschrittenen Alter – mit Sport beginnen kann. Mit Bewegung kann man sein Leben ändern.
Prof. Bachl: Absolut richtig. Nachhaltige Lebensveränderungen sind aber nur möglich, wenn man sie in den Alltag integriert: die Bewegung, die Ernährung und die eigene Motivation, das „Ich will!“. Ich reise viel, aber wenn ich in Wien bin, setze ich mich in der Früh eine halbe Stunde auf das Ergometer.

Dabei lese ich die Zeitung, und schon habe ich einen doppelten Nutzen. Wenn ich unterwegs bin, ist es unterschiedlich. Meistens gehe ich schnell, oder ich benutze Stiegen statt Rolltreppen. Und am Wochenende treibe ich Sport, was immer ich kann. Und es gibt keine Ausrede, dass das nicht möglich ist.

Es gibt genügend Möglichkeiten. Jeder sollte Bewegung in seine Tagesplanung integrieren. Und wenn man einmal erlebt hat, wie gut man sich fühlt, wenn man sich ein bisschen belastet, dann ist das auch ganz normal.

Was ist bei Sport im Alter zu beachten?
Prof. Bachl: Wenn man Sport betreibt oder damit anfangen will, sollte man eine sportärztliche Untersuchung inklusive Ergometrie (Belastungstest) durchführen. Das ist die sicherste Methode, um den höchsten Trainingsleistungszuwachs zu gewährleisten und um ein Verletzungsrisiko auszuschließen.

Sehr wichtig ist die richtige Trainings- bzw. Bewegungsberatung. Prinzipiell ist es wichtig, vorsichtig zu beginnen und den Organismus nicht zu überlasten. Mit zunehmendem Alter ist besonders auf gutes Aufwärmen zu achten, da unsere Gewebe, insbesondere das Bindegewebe, unelastischer werden. Man kann nicht auf den Tennisplatz gehen und sofort mit vollen Schlägen beginnen.

Man muss dehnen, die Muskulatur aufwärmen, ein bisschen laufen, damit der Organismus auf die Belastung vorbereitet wird. Damit können unnötige Verletzungen wie Fasereinrisse in den Muskeln und Sehnen ausgeschlossen werden.

Welche Sportarten sind für Menschen im fortgeschrittenen Alter ideal?
Prof. Bachl: Ein Mix aus Ausdauer (besonders in der freien Natur) und Kraft bzw. Kraft-Ausdauer und Koordination ist immer ideal. Das kann man im Fitnessstudio machen, durch gymnastische Übungen und Spielsportarten wie Tennis.

Jeder kann Sport ausüben, wann er will und wie es ihm Spaß macht – also individuell gestalten. Zuviel Regelhaftes führt oft zum Nicht-Befolgen. In dem Buch geht es allerdings um das Lebensprinzip „Bewegung“ und daher auch um Regelmäßigkeit.

Das bedeutet Bewegung im Alltag, Sport und Training in der Freizeit, um die Leistungsfähigkeit anzuheben. Fitness erhält man sich bis ins hohe Alter, wenn man sinnvolle Herausforderungen im Alltag und in der Freizeit annimmt – intellektuelle wie physische.

Buchtipp

Fit ins Alter – Mit richtiger Bewegung jung bleiben

Autoren: Univ.-Prof. Dr. Norbert Bachl (Foto), Mag. Dr. Werner Schwarz, Dr. Johannes Zeibig.

Wien, 2006. 318 Seiten, 67 Grafiken und zahlreiche Abbildungen.
ISBN 3-211-23523-X. Springer Wien–New York. Preis: 29,80 Euro