Nr. 184/2007

VOR HUNDERT JAHREN EINGEFÜHRT:
Die Liniensignale der Wiener Straßenbahn
1907 – also schon vor 100 Jahren – wurde das heute noch gültige Liniensignalsystem bei der Wiener Straßenbahn eingeführt.



Die erste Pferdetramway Wiens bei der Abfahrt vom Schottentor

Als die erste Pferdetramway Wiens am 4. Oktober 1865 zwischen dem Schottentor und Hernals eröffnet wurde, war natürlich noch keine Liniensignalisierung notwendig. Erst die rasche Expansion des Streckennetzes erforderte eine Kennzeichnung der in viele Richtungen fahrenden Straßenbahnwagen.

Es begann mit geometrischen Figuren
Im Jahr 1874 wurde daher von der „Wiener Tramwaygesellschaft“ und vom Konkurrenzunternehmen „Neue Wiener Tramwaygesellschaft“ eine Signalisierung der Tramwaywagen mittels geometrischer Figuren eingeführt.

Bei diesem System wurde mit dem „Signal“ allerdings nur das Fahrziel (die Endstation) angezeigt, nicht jedoch der Fahrweg des Wagens. Die gefahrene Route mit ihren markanten Örtlichkeiten wurde daher mit zusätzlichen Tafeln seitlich am Dach angeschrieben.

Dieses System wurde, mit diversen aktuellen Änderungen, sogar noch im elektrischen Betrieb bis 1907 beibehalten.

Da sich diese Anzeige der jeweiligen Endstation im Laufe der Jahre als zu kompliziert und unflexibel herausstellte, wurde an einem neuen System gearbeitet, das am 6. Juli 1906 vom Wiener Gemeinderat beschlossen und ab 1907 bei der Wiener Straßenbahn eingeführt wurde.



Verzeichnis der „Tramway-Signale“ aus 1895

Die Grundprinzipien der neuen „Liniensignale“

  • Den Rundlinien, welche die Stadt in verschiedenen Radien abschnittsweise kreisförmig umfahren, wurde die Nummerngruppe 1 bis 20 zugeteilt.
  • Radiallinien, die stadtein- bzw. stadtauswärts fahren, wurden – mit der Nummer 21 bei der Ausstellungsstraße beginnend – gegen den Uhrzeigersinn bis 82 bezeichnet.
  • Die Kombination aus Rund- und Radiallinien, die Durchgangslinien, bekamen Buchstaben als Linienbezeichnung. Normalerweise befuhren Durchgangslinien einen Teil der Ringstraße. Bei den Ringlinien wurde die Fahrtrichtung Ring-Kai (im Uhrzeigersinn) mit dem Index „R“ gekennzeichnet, bei der Fahrt über Kai-Ring (gegen den Uhrzeigersinn) gab es den Index „K“. Der Index „R“ entfiel im Jahr 1913. Die Durchgangslinien, die jedoch nicht die Ringstraße, sondern die „Lastenstraße“ benutzten, bekamen als Index die Ziffer „2“ zugesetzt. Daraus entstand der noch heute verwendete Begriff „2er-
    Linie“.
  • Die Verlängerung einer Linie oder die Abzweigung einer Linie von der Hauptstrecke konnte mit einer zusätzlichen Hunderterstelle gekennzeichnet werden.
  • Wenn ein Zug einer Linie nicht das normale Fahrziel erreichte, sondern schon vorher „gekürzt“ wurde, bekam das Liniensignal einen schrägen Balken als Kennzeichnung.
  • Sonderlinien bekamen meist Buchstaben-Zahlen-Kombinationen. In besonderen Ausnahmefällen wurde auch ohne Liniensignal, also mit „weißer Scheibe“, gefahren.



Dieser Triebwagen zeigt die Ur-Ausstattung der Liniensignale.

Signallaternen und Brustwandtafeln
Die Liniensignale wurden als Signallaternen (Durchmesser 35 cm) ausgeführt, die an der Front des Wagendaches (mittig oder links) angebracht waren. Das Linien-Signalbild ergab sich dadurch, dass vor die weiße Glasscheibe (bei Dunkelheit beleuchtet) eine Blechscheibe gesteckt wurde, aus der die dementsprechenden Zeichen ausgestanzt waren.

An der Stirnseite und an der Rückseite jedes Zuges waren „Brustwandtafeln“ angebracht, die das Fahrziel des Zuges angaben, seitlich (hinter den Fenstern) waren die Linienbezeichnung (Zifferntafel) und die Fahrtroute (Routentafel) des Zuges angeführt.



Fahrzielanzeigen ab 1907

Elektronisch gesteuerte Anzeigen
In den folgenden 100 Jahren gab es natürlich immer wieder Verbesserungen und Neuerungen in der Beschilderung. Obwohl es noch immer viele Straßenbahnwagen gibt, die in der Ursprungsausführung der Liniensignalisierung bezeichnet sind, ist bei Neu-Fahrzeugen natürlich der technische Fortschritt nicht aufzuhalten.

Die modernen Straßenbahnwagen haben elektronisch gesteuerte LCD (liquid crystal display)- oder LED (light emitting diodes)-Anzeigen.