EINE WECHSELVOLLE GESCHICHTE:
100 Jahre Autobus in Wien
Die wahre Qualität des öffentlichen Verkehrs zeigt sich erst im gesamtheitlichen Angebot eines dichten Liniennetzwerkes. Und hier hat der Autobus seine große Bedeutung. Er dient der Feinverteilung, reagiert flexibel auf geänderte Bedingungen und ist oft Pionier, wenn es gilt, neue Siedlungsgebiete zu erschließen. Vor 100 Jahren hat die Geschichte dieses Verkehrsmittels begonnen.

Fross-Büssing „W IV O“ aus 1928
Der Wiener städtische Autobusbetrieb wurde am 23. März 1907 mit einer „Automobil-Stellwagen“-Linie von der Simmeringer Hauptstraße nach Kaiserebersdorf aufgenommen, eine zweite Linie kam ab 10. Oktober 1907 von Floridsdorf über Kagran nach Leopoldau dazu.

Ein Bus der Type „5 GF-ST“ vor dem Westbahnhof
Mit Pioniergeist ans Werk
In der Folge wurde mit Akkumulatorwagen, Benzinbussen und ab 1908 auch mit Fahrleitungsbussen („gleislose Bahn“) experimentiert, aber erst nach dem Ersten Weltkrieg konnte sich der Busbetrieb neben der damals schon ausgereiften elektrischen Straßenbahn behaupten.
Die ersten größeren Busserien wurden gebaut, speziell in der straßenbahnfreien Wiener Innenstadt wurden immer mehr Linien in Betrieb genommen, und im Jahr 1924 musste man für den stark gewachsenen Wagenpark sogar eine eigene Hauptwerkstätte errichten.
Der große Durchbruch bei der Wagenkonstruktion gelang 1928 mit dem Bau der legendären „Fross-Büssing“-Busse (Typenbezeichnung „W IV 0“).
Als richtungweisende Neuerung wurden die Wiener Busse ab 1936 mit Dieselmotoren ausgestattet, wobei viele der vor 1936 gebauten Wagen im Laufe der folgenden Jahre ebenfalls Dieselmotoren anstatt der vorher verwendeten Benzinmotoren bekamen. Unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg, konnte diese Umstellaktion erst 1953 abgeschlossen werden.

Gräf & Stift Doppeldecker Type „DD-2FU“
Wiederaufbau nach dem Krieg
Die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges waren für den Wiener Autobusbetrieb katastrophal: Von 130 Bussen war kein einziger mehr betriebsfähig. Nach kurzer Zeit konnten aber schon die ersten Wagen notdürftig in Stand gesetzt und dem Betrieb übergeben werden. Der Wiederaufbau aller kriegsbeschädigten Busse konnte im Jahr 1953 abgeschlossen werden.
Ein kurzes Leben (1946–1958) hatte eine während des Krieges gebaute Oberleitungs-Omnibuslinie vom Gürtel (Stadtbahn Nußdorfer Straße) nach Salmannsdorf, da dieses Verkehrsmittel in Wien ein Außenseiter blieb.
Inzwischen konnte die Industrie auch wieder Busse bauen, wobei besonders die Typen „120 OGW“ von Gräf & Stift und „5 GF“ von Saurer lange Zeit das Stadtbild Wiens prägten.
Um jedoch eine moderne Buskonstruktion zu schaffen, wurden mehrere Versuchswagen von der Industrie hergestellt, woraus sich die neue Standard-Type kristallisierte: der Großraum–Trambus mit Unterflurmotor und Automatikgetriebe. Ab 1958 wurde diese Bauart, jeweils dem Stand der Technik entsprechend verbessert, in vielen Exemplaren gebaut.
Um die Leistungsfähigkeit der Busse zu erhöhen, wurden ab 1960 die Sonderkonstruktionen der „Doppeldecker“-Busse (in Betrieb bis 1991) und ab 1963 die „Gelenkbusse“ in Betrieb genommen.

Niederflurbus „NL 243 M 12“ in Simmering S/U
Flüssiggas und Niederflur
Ebenfalls im Jahr 1963 machte der Autobusbetrieb der Stadt Wien einen entscheidenden Schritt in Richtung Umweltschutz. Es wurde begonnen, die Busse und auch die notwendigen Tankeinrichtungen für Flüssiggas zu adaptieren.
Die damals vorhandenen Busse mit Dieselmotor wurden dermaßen umgebaut, dass ein Diesel-Flüssiggas-Mischbetrieb ermöglicht wurde. Bis 1977 konnten fast 300 Wagen für diesen Zweistoffbetrieb adaptiert werden.
Neu gebaute Busse wurden ab diesem Zeitpunkt allerdings mit speziellen Gasmotoren („Otto-Motoren“) ausgestattet, da diese Motoren ausschließlich mit Flüssiggas, also ohne Beimengung von Dieselkraftstoff, betrieben werden. Seit 1988 bekommen die Busse auch Abgas-Katalysatoren.
Eine besondere Busart, die für die beengten Verhältnisse der Wiener Innenstadt entwickelt wurde, waren die „City-Busse“. Diese kleinen Wagen waren von 1977 bis 1995 in Betrieb, ab 1992 wurden sie aber durch umweltfreundliche „Midi-Busse“ und diese wieder ab 2005 durch noch besser geeignete Kleinbusse ersetzt.
Die Umstellung aller Wiener LinienBusse auf Niederflurwagen war am 16. Mai 2007 abgeschlossen, so dass man seither mit Fug und Recht behaupten kann, dass die Wiener Linien die umweltfreundlichste und bequemste Autobusflotte der Welt einsetzen.
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