Nr. 187/2007

MEHR ALS HEISSE LUFT:
Wohlige Wärme aus dem Mistkübel
„Vermeiden – Trennen – Verwerten“ lautet das Drei-Säulen-Modell der Wiener Abfallwirtschaft. Jener Abfall, der sich weder vermeiden noch trennen lässt, wird von Wien Energie Fernwärme umweltschonend entsorgt und in saubere Energie verwandelt.



Friedensreich Hundertwasser gestaltete die Fassade der Müllverbrennungsanlage
Spittelau in Wien. Die Anlage wurde zu einem Wahrzeichen der Stadt und zu
einem Symbol für ökologisch unbedenkliche Abfallverwertung.

In Wien stehen Müllverbrennungsanlagen zur Entsorgung von rund 550.000 Tonnen Hausmüll pro Jahr bereit, welche die im Müll enthaltene Energie nutzen und damit die Grundlast der Wiener Fernwärmeversorgung abdecken.

In den Anlagen Flötzersteig und Spittelau von Wien Energie Fernwärme werden jährlich rund 450.000 Tonnen Hausmüll der Stadt thermisch behandelt. Im Werk Simmeringer Haide kommt weiterer aufbereiteter Hausmüll sowie der überwiegende Anteil der jährlich in Österreich anfallenden gefährlichen Abfälle dazu.

Darunter fallen unter anderem Werkstättenabfälle, Lösemittel, Altöle, Abfälle aus der Problemstoffsammlung, Altbatterien sowie human- und veterinärmedizinische Abfälle. Weiters werden 200.000 Tonnen Klärschlamm aus der Hauptkläranlage Wien thermisch behandelt.

Verbesserung der Umweltbilanz
Dass die Anlagen zur weiteren Verbesserung der Umweltbilanz immer wieder an den modernsten Stand der Technik angepasst werden, ist für Wien Energie Fernwärme zu einer der wichtigsten Aufgaben geworden.

Bereits 1989 wurde in der Anlage Spittelau die damals erste DeNOx-Anlage (katalytische Entstickungsanlage) europaweit eingebaut, seither erfolgen laufend Modernisierungen.

In diesem Frühjahr erlangte die Anlage Flötzersteig Zertifizierungen in den Bereichen Umwelt, Qualität und Arbeitssicherheit, und das Werk Simmeringer Haide ist seit 2006 die europaweit einzige Sonderabfall- und Klärschlammverbrennungsanlage, die eine Zertifizierung der Europäischen Union für Umweltmanagementsysteme besitzt.



Jährlich werden in Wien rund 550.000 Tonnen Hausmüll thermisch behandelt.

Wiener Tradition
Abfallverbrennung zur Wärmeversorgung hat in Wien eine lange Tradition. Bereits 1928 wurde in einer ersten kleinen Versuchsanlage die Müllverbrennung erprobt. Richtig ernst wurde es 1963 mit der Inbetriebnahme der Müllverbrennungsanlage der Gemeinde Wien am Flötzersteig im Westen der Stadt.

Dieser Standort wurde ausgesucht, um drei nahe gelegene Großkrankenhäuser, das Ottakringer Bad und später noch die Zentralwäscherei der Gemeinde Wien mit Wärme aus Müll zu versorgen.

Mit der Abfallbehandlungsanlage Spittelau wurde 1971 den Verbrennungskapazitäten am Flötzersteig eine weitere Anlage hinzugefügt. Auch bei dieser Anlage stand ursprünglich die Versorgung des nahe gelegenen Allgemeinen Krankenhauses im Vordergrund.

Ein Großbrand als Impuls
Am 15. Mai 1987 brannte ein großer Teil der Anlage Spittelau ab. Die Abgasreinigungsanlage, zwei Heißwasserkessel sowie große Teile des Gebäudes fielen dem Feuer zum Opfer.

Was anfänglich als großes Unglück wahrgenommen wurde, gab – rückwirkend betrachtet – der Wärmeversorgung aus der Abfallentsorgung einen starken Impuls.

Die neu errichtete Anlage, die von Friedensreich Hundertwasser künstlerisch gestaltet und mit einer hochmodernen Abgasreinigungsanlage ausgestattet wurde, konnte die Akzeptanz der Wiener Bevölkerung für die Abfallverbrennung entscheidend erhöhen.