DER LETZTE WEG IM WANDEL DER ZEIT:
Prunkkutschen und Prachtwagen
Die Bestattung Wien wurde 1907 als „Gemeinde Wien – Städtische Leichenbestattung“ gegründet. Der Unternehmenssitz lag von Anfang an in Wien 4, Goldeggasse 19. In den Garagen des riesigen Innenhofs, in denen jetzt die „Leichenwagen“ stehen, waren früher die Kutschen abgestellt.

Trauerzug mit Pferden
Luxus-Trauerzug mit schwarzen Pferden
In den Anfangsjahren der Bestattung wurden Verstorbene ausschließlich mit Pferdekutschen zum Friedhof gebracht. Der Trauerzug war, abhängig von sozialer Stellung und Finanzkraft des Toten, mehr oder weniger prächtig.
Konnte man sich die Luxusklasse leisten, zogen acht Rappen den Prachtleichenwagen. Ein Herold ritt voran, und 20 Fackelträger schritten neben dem Toten her.

Leichentram im Ersten Weltkrieg
Leichentram im Ersten Weltkrieg
1910 setzte die Bestattung erstmals Autos ein. „Wegen der hohen Kosten“ wurde der Versuch wieder abgebrochen.
Verstorbene wurden wie gewohnt mit Pferdekutschen zur Begräbnisstätte gebracht. 1918, im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs, mussten Tote wegen fehlender Transportmittel in einer umgebauten Straßenbahn transportiert werden. Die „Leichentram“ fasste zwölf Särge.

Bahrwagen in den 1920er-Jahren
Bestattung auf vier Rädern
Unter „ziemlichem Zuspruch des Publikums“ erfolgte in den 1920er-Jahren „die Automobilisierung“ der „Städtischen Leichenbestattung“, der heutigen Bestattung Wien.
Anfangs waren es acht zu prunkvollen Totenwagen umgebaute Lastkraftwagen. Dazu kamen 1927 noch einige Trauerkutschen. Zwei Jahre später legten 21 „Kraftfahrzeuge für den Leichentransport“ bereits 265.000 Kilometer zurück.

„Amerikaner“ in den 1950er-Jahren
Stromlinienförmige „Amerikaner“
Im Zweiten Weltkrieg musste wieder auf Pferdefuhrwerke zurückgegriffen werden, denn die Bestattung hatte nur noch ein einziges, nicht fahrbereites Auto. Zusätzlich wurde die im Ersten Weltkrieg eingesetzte „Leichentram“ aus der Remise geholt.
Ab den 1950er-Jahren ersetzten umgebaute Pkws die bisher als Leichenwagen benutzten Lkws. Dazu kamen zwei extralange, stromlinienförmige Autos mit großen Glasfenstern – die so genannten „Amerikaner“.

Blumenwagen in den 1960er-Jahren
Kastenwagen, Glas- und Blumenwagen
Ab 1957 erleichterten „gummibereifte Bahrwagen“ die Arbeit der Sargträger. Zwei Jahrzehnte später wurden Bahrwagen mit Flüssiggas betrieben. 1970 besaß die Bestattung bereits einen umfangreichen Fuhrpark.
Mit 18 Kastenwagen, 15 Glas- und Blumenwagen sowie acht weiteren Fahrzeugen wurden 786.940 km gefahren. 1993 waren es 810.000 km – 20-mal die Strecke rund um den Erdball.

Geräuschlos und elektrobetrieben:
der Sonderkonduktwagen der Bestattung Wien
Geräuschlose Konduktfahrzeuge
Mitarbeiter der Bestattung Wien entwickelten in den 1990er-Jahren spezi-elle, elektrobetriebene Konduktwagen. Sie fahren dem Trauerzug geräuschlos und abgasfrei voran.
Bei großen Trauerfeiern kommt der exklusiv ausgestattete Sonderkonduktwagen zum Einsatz. Und wie zu ihrer Gründung vor 100 Jahren bietet die Bestattung Wien auch heute wieder zwei-, vier- oder sechsspännige Kutschen an, die Verstorbene zur
letzten Ruhestätte bringen.
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