Nr. 193/2008

DONAUSTADTBRÜCKE WIRD U2-TRASSE:
U-Bahn-Bauarbeiten in 80 Meter Höhe
Die Donaustadtbrücke ist Wiens einzige Schrägseilbrücke über die Donau. Bereits Ende 2010 soll die U2 über diese Brücke fahren. Techniker ohne Höhenangst nehmen 80 Meter über der Donau die notwendigen Umbauarbeiten vor.



Der schwere Baukran hebt die Bauarbeiter (im Korb) und die Schrägseile zur Spitze
der Brücke hoch, wo die neuen Schrägseile verankert werden. Die neuen Schrägseile
hängen noch deutlich durch (Bildvordergrund).

Die Donaustadtbrücke wurde 1996 und 1997 als Entlastungsstrecke für die Bauarbeiten auf der Praterbrücke der A23 gebaut. Bereits damals wurde sehr vorausschauend geplant. Trotz der vorübergehenden Benützung der Donaustadtbrücke als Südosttangenten-Entlastung und danach als Straßenbrücke für Einsatzfahrzeuge und Autobusse der Wiener Linien wurde die Brücke bereits für ihren endgültigen Einsatzzweck als U-Bahn-Verbindungsbrücke über die Donau in den 22. Gemeindebezirk vorbereitet. Um Kosten zu sparen, wurde die Brücke damals für den Straßenverkehr adaptiert und ausgeführt, die Verstärkungsmöglichkeiten für die Nutzung der Brücke als U-Bahn-Brücke wurden aber gleich mit eingeplant. So konnte die kostenintensive, komplette Neuerrichtung der Donaustadtbrücke im Zuge der U2-Verlängerung zur Aspernstraße vermieden werden. Da die Ausrüstung für den U-Bahn-Betrieb aber das 2,5-fache des Eigengewichts der Tragkonstruktion der Brücke wiegt, muss die Brücke verstärkt werden. Der Pylon (Pfeiler einer Schrägseil- oder Hängebrücke) in der Mitte der Hängebrücke trägt nach dem Umbau doppelt so viele Schrägseile als bisher.



Am Anfang der Arbeiten: Der Schwerlastkran wird mit zwei anderen Schwerlastkränen
in Millimeterarbeit auf die Donaustadtbrücke gehoben.

Ein Schwerlastkran im Einsatz
Ein Schwerlastkran, der auf der Brücke steht, hebt die neuen Schrägseile bis in 80 Meter Höhe zu den Ankerpunkten der Schrägseile an der Pylonenspitze. Bauarbeiter ohne Höhenangst verankern dort – in Schutzgerüsten stehend – die zusätzlichen Schrägseile, die danach mit hydraulischen Pressen in die Ankerpunkte entlang der Fahrbahn gespannt und verankert werden. Die Arbeiten an der Spitze der Brücke sind nur bis zu Windgeschwindigkeiten von 30 Meter in der Sekunde möglich, da die Bauarbeiter durch einen Seilkorb auf die Spitze des Brückenpylons gehoben werden. Damit bei der herausfordernden Fahrt zur und von der Brückenspitze nichts passieren kann, wird das Baubüro der Wiener Linien immer mit genauen Wettervorhersagen versorgt, außerdem ist an der Spitze des Schwerlastkrans eine präzise Messanlage zur Geschwindigkeitsmessung eingebaut.
Der Schwerlastkran, der die neuen Schrägseile auf die Brücke hebt, musste mit zwei anderen Schwerlastkränen auf die Brücke gehoben werden, denn die Straßenrampen, die auf die Brücke führten, sind längst abgerissen und durch U-Bahn-Rampen ersetzt. Bei diesem Vorgehen handelt es sich um keinen Planungsfehler – die Stundenkosten eines Schwerlastkrans dieser Größe sind derart hoch, dass es sich nicht gelohnt hätte, den Kran vor dem Abriss der Zufahrtsrampen auf die Brücke zu fahren. In der Standzeit bis zum Einhängen der zusätzlichen Schrägseile wären die vollen Stundenkosten angefallen.

Ende 2010 geht’s über die Donau
Aller Voraussicht nach lässt sich bereits Ende 2010 bei der Fahrt mit der U2 über die Donaustadtbrücke ein neuer Ausblick auf Wien genießen. Soviel sei verraten: Es ist ein faszinierender Ausblick über die Donau hinweg Richtung Norden. Auf der anderen Fensterseite kann dann hingegen die Verkehrslage auf der A23 beobachtet werden. Welche Fensterseite den Fahrgästen der verlängerten U2 mehr Freude ins Gesicht zaubern wird, darf vorerst einmal nur vermutet werden.