Nr. 194/2008

EIN RÜCKBLICK IN DIE 50ER-JAHRE:
Tramway von A bis Z
Erich Vorrath erinnert sich an die „gute, alte Zeit“

Mit dem 1er und dem 2er hat Wien zwei neue Durchgangslinien bekommen, die einen Stadtteil mit einem anderen verbinden – über Ring und Kai. Damit wurde einem Stück Straßenbahn-Vergangenheit wieder eine Zukunft beschert.
Früher waren es die „Buchstabenlinien“, die auf langen Routen die Fahrgäste quer durch Wien beförderten, stets über das Zentrum. Ich selbst bin noch mit so mancher gefahren – mit dem L von Schönbrunn in die Prater Hauptallee, mit dem F von Währing nach St. Marx, mit dem C von Hernals nach Kaisermühlen zum Gänsehäufel, und der P rollte an Tagen großer Fußballmatches von Ottakring ins Stadion. Eine besondere Stellung hatten A, AK, B und BK – die kehrten über Ring und Kai zu ihren Ausgangsstationen Stadlauer Brücke
und Kaisermühlen zurück – nach einer Fahrt von mehr als einer Stunde.
In den ersten Dezennien des 20. Jahrhunderts war die Vielfalt noch größer. Da bot das Alphabet fast zu wenige Buchstaben. Die Verkehrsbetriebe wussten sich jedoch zu helfen: So konnte man nicht nur K, M, S, V oder Z auf den schwarzen Signalscheiben lesen, es gab auch CA, CT, R2, VC oder W4. An schönen Sonntagen kuppelten in Grinzing die Linien S, S2, S8 und S18 um – Tramway von A bis Z.
So war das Umsteigen oft nicht notwendig.
Dann aber wurde die Auto-Lobby immer stärker. Die Straßenbahnen, die in den Ring einbogen, wurden zu unerwünschten Hindernissen für die wachsenden Blechwürmer, die unsere Durchgangslinien dann eine nach der anderen auffraßen. Doch die neuen Linien 1 und 2 geben Hoffnung, dass es wieder so wird, wie es einst schon war.