Nr. 195/2009

EIN RÜCKBLICK IN DIE 50ER-JAHRE:
Eiszeit in der Bim
Erich Vorrath erinnert sich an die „gute, alte Zeit“

General Winter tobt mit eisigem Wind und Schnee durch die Straßen Wiens, doch wir sitzen in der geheizten Bim und schauen dem Treiben des rauen Gesellen durchs Fenster zu. Das war nicht immer so. Einst machte die kalte Jahreszeit allen in der Straßenbahn zu schaffen – den Fahrgästen und besonders dem Personal.
Zieht‘s euch warm an! Wer vor einigen Jahrzehnten diesen wohlgemeinten Rat nicht befolgte, der fror jämmerlich. Beispielsweise die Männer auf den Schneepflügen der Verkehrsbetriebe. Die Geräte wurden zwar von Straßenbahntriebwagen gezogen, rollten aber nicht in den Gleisen, so dass sie mit der Hand gelenkt werden mussten. Damit hatten sie einen größeren Aktionsradius. Auf ihren luftigen Sitzen glichen die Lenker vermummten Schneemännern. Klingt lustig, den Straßenbahnern gefror jedoch das Lächeln im Gesicht.
Ebenfalls im Freien standen die Fahrer der Lasttriebwagen, die oft zum Ziehen der Schneepflüge verwendet wurden. Nicht wenige dieser Arbeitsfahrzeuge besaßen kein Führerhaus.
Und auch auf den Plattformen der alten Straßenbahnwagen, die noch mit offenen Türen unterwegs waren, herrschte eisige Kälte. Die Fahrer waren natürlich gut „eingepackt“, und die Schaffner öffneten nicht einmal die Schiebetüren, wenn sie Fahrgästen, die nicht ins Wageninnere kommen wollten, die markierten Karten in den „Kühlraum“ beim Einstieg reichten. Dafür hatten sie eine kleine Durchreiche, die gerade Platz für die Hand bot.
Eisige Straßenbahnzeiten gab es damals alle Jahre wieder, auch für die Fahrgäste. Einigermaßen warm war es früher nämlich nur in den Triebwagen, die Beiwagen hatten überhaupt keine Heizung.